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AV-views.de AV-views 2010/2 Wenn Lux gegen Lumen kämpfen |

Praxistipps zum Public Viewing
Wenn Lux gegen Lumen kämpfen
Als vor vier Jahren die Fußball-WM in Deutschland durchgeführt wurde, kam das Thema „Public Viewing“ erstmals richtig zur Geltung. Aus dem Kneipen-Fernseher wurde ein großes öffentliches Event und da damals das Wetter mitspielte, fand alles draußen in privaten Gärten, in Kneipen-Höfen oder auf öffentlichen Plätzen statt. Manche gut gemeinte Installation fiel allerdings der Sonne zum Opfer. Spiele ließen sich nur akustisch verfolgen – das dazu gehörige Großbild war fast nicht zu erkennen. Damit das in diesem Jahr besser wird, hier ein wenig technischer Hintergrund und einige praktische Tipps.
Für einen Projektor mit 3000 Lumen muss man heutzutage nicht mehr viel Geld ausgeben und so wird sich manch ein Biergartenbesitzer überlegen, ob er nicht durch die Investition von ein paar hundert Euro den Bierumsatz um ein vielfaches anheben kann. Aber reichen denn 3000 Lumen oder sollte es lieber ein bisschen mehr sein? Die reine Lichtleistung ist zwar ein, aber nicht das wichtigste Kriterium für das Gelingen einer solchen Open-Air Veranstaltung. Um zu verstehen, worauf es ankommt, sollte man sich zunächst mit dem menschlichen Auge oder genauer mit dem menschlichen Sehapparat befassen.
Unsere Augen sind extrem anpassungsfähig. Wir können zumindest die Überschriften einer Zeitung im Mondenlicht aber auch bei hellem Sonnenschein lesen. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Sowohl mit 5 Lux als auch mit 150.000 Lux kommen wir klar. Das ist eine Variationsbreite von 30.000:1! Diese Spannweite erreichen wir dadurch, dass das Auge sich durch Verändern der Iris an die verschiedenen Situationen anpassen kann. Gleichzeitig kommen wir mit einem solchen Kontrastverhältnis nicht klar. Treten wir z.B. aus einem dunklen Kinosaal ans Tageslicht, braucht das Auge ein Weilchen, bis es sich den neuen Bedingungen angepasst hat. Eine weitere wichtige Eigenschaft des Auges ist, dass es logarithmisch arbeitet. Unterschiedliche Helligkeiten erkennt man erst, wenn sich die Leuchtdichte verdoppelt oder halbiert. Wichtiger noch ist aber das Kontrastverhältnis, das das Auge verarbeiten kann. Als Kontrast bezeichnet man hier das Verhältnis zwischen dem, was wir als schwarz erkennen zu dem, was für uns weiß ist. Der maximalwert hierfür beträgt 1000:1. Größere Kontraste im Blickfeld vermögen wir nicht aufzulösen und damit ist auch klar, warum in Kinos ein Kontrastverhältnis von 1000:1 gewünscht ist. Was auch sofort klar sein dürfte: An Kino-Verhältnisse werden wir bei einer Open-Air Veranstaltung bei Tageslicht auch nicht häherungsweise herankommen. Selbst, wenn die Sonnen nicht direkt auf die Projektionsfläche scheint, das Umgebungslicht würde die Bildwand ohne zusätzliche Abschattung immer noch mit über 10.000 Lux beleuchten. Ohne weitere Maßnahmen kommt man also nicht zum Ziel.
Zielvorgaben
Experimente haben ergeben, dass zum Erkennten von Details ein Kontrastverhältnis von 15:1, besser von 20:1 erreicht werden muss. Gemeint ist hier das Kontrastverhältnis des von der Bildwand zum Zuschauer gesendeten Bildes, nicht etwa das, was Hersteller ihren Projektoren zuschreiben. Das reale Kontrastverhältnis kann man einfach feststellen, indem man einerseits misst, wie viel Licht bei der Projektion eines weißen Bildes von der Bildwand auf die Augen der Zuschauer trifft und wie viel bei der Projektion eines schwarzen Bildes noch zum Auge des Betrachters gelangt. Ein Problem bei einer einfachen Aufprojektion: Die Standard-Bildwand ist weiß und reflektiert das Umgebungslicht in gleichem Maße, wie das des Projektors. Da der Projektor kein Licht von der Bildwand wegnehmen kann, stellt also die weiße Wand bei dem dort herrschenden Umgebungslicht das tiefste Schwarz dar, das im Bild vorkommen kann. Das zweite Problem: Der Ball mit seinen schwarzen und weißen Flächen bietet den höchsten, darstellbaren Kontrast. Braune Fußballerbeine von grünem Rasen zu unterscheiden, ist deutlich schwieriger.
Maßnahmen
Die wichtigste Maßnahme ist sicherlich die zweckmäßige Abschattung der Projektionsfläche. Bewährt hat sich hier ein schwarzer, trichterförmiger Tunnel, an dessen Ende die Bildwand steht. Wichtig ist, dass die Zuschauer nicht zu weit vom Tunnel entfernt sitzen und keine sehr helle Flächen in ihrem Blickfeld haben. Wie eingangs bereits erwähnt, passt das Auge sich ständig der Helligkeit des Blickfeldes an. Steht etwa das Bierglas auf einem sonnenbeschienenen Tisch mit weißer Decke, so wird der Blickwechsel von der Projektion zum Bier und zurück das Auge durch ständige Anpassungsarbeit ermüden. Zudem wird es immer ein Weilchen dauern, bis der Blick wieder klar ist. Sitzen die Zuschauer weiter von der beschatteten Projektion entfernt, so muss dafür gesorgt werden, dass das gesamte Blickfeld um die Projektion herum möglichst dunkel ist. Wäre dort etwa eine weiße Wand, so könnte sich das Auge nicht auf die dunklere Projektion einstellen. Die Zuschauer würden „geblendet“. Einleuchtend ist auch, dass eine hinter der Bildwand untergehende Sonne den gleichen Effekt erzielt. Ebenso ungünstig ist es aber, wenn die Zuschauer die untergehende Sonne im Rücken haben. Sie würden dann zwar nicht geblendet, ein Beschatten der Bildwand wäre aber nicht möglich.
Diesen Artikel finden Sie komplett in der AV-views 2010/2 auf der Seite 36
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